Uganda - Barbie’s “back to the roots-Reise” 27. März bis 11. April 2010

...... unser Geschenk zu Barbie’s 18. Geburtstag

Am Samstag den 27. März begannen wir nach einem ausgiebigen Frühstück, die Koffer für unsere schon seit über einem Jahr geplante Ugandareise zu packen. Ein wenig mulmig war mir schon zumute; nach 14 Jahren das Land wiederzusehen, von dem ich mich - damals -nicht so ganz in Frieden verabschieden konnte war ein eigenartiges Gefühl.  Aber wir hatten diese Reise unserer Tochter geschenkt - ein Versprechen, welches ich ihr vor langen Jahren gab. Ich wollte ihr, bevor sie so ganz erwachsen war, die Möglichkeit geben, ihre Wurzeln zu entdecken und ihr Ursprungsland mit guten, positiven Augen zu sehen und vielleicht auch lieben zu lernen.

Wir starteten unsere Reise am frühen Abend von Düsseldorf – über Dubai - und dann mit kurzem Zwischenstop in Addis Abeba Äthiopien nach Entebbe, Uganda.

Wie es vereinbart war, wurden wir von dem Inhaber der Jewels Safari Company abgeholt und zu unserer Lodge in Kampala, die uns für die kommenden zwei Wochen beherbergen würde, gebracht.

Endlich Uganda ………. Ich erinnerte mich an Kampala, der Hauptstadt Ugandas, nur noch als dreckige und nicht sehr einladende afrikanische Stadt.  Aber schon die Strasse vom Flughafen Entebbe nach Kampala beeindruckte mich. Es war viel sauberer und aufgeräumter, als ich es in Erinnerung hatte, auch wenn Siggi und Barbie da ganz anderer Meinung waren. Aber sie kannten es nicht, wie es vor 14 Jahren war. Jetzt gab es Shopping-malls, ordentlich sortierte Märkte und vor allem eine hervorragende Strasse, kaum Schlaglöcher.

Die Cassia Lodge in Kampala, wo wir die kommenden zwei Wochen verbringen werden, zeigte sich bei herrlichem Sonnenschein und einer wunderbaren Wärme hoch gelegen auf einem Hügel mit traumhaftem Blick über den Viktoria See. Wie ich es schon vermutet und bei google-earth gesehen hatte, lag die Lodge direkt neben dem Grundstück, auf dem wir 1994 für 2 Jahre mit Barbie gelebt hatten. Buziga Hill. Heute lebt in unserem damaligen Haus der Leiter des Uganda Wildlife Offices.

Am kommenden Tag, Montag, wurden wir nach einem herrlichen Frühstück von unserem Fahrer mit einem Landcruiser abgeholt. Sam, so hieß der Fahrer, brachte uns nach Kampala in die Stadt, zeigte uns ein wenig die Veränderungen der letzten Jahre und wir schlenderten über Kampalas grössten Gemüsemarkt, den Nakasero Market. Siggi und Barbie staunten nicht schlecht über das Angebot dort. Der dem Gemüsemarkt gegenüberliegende Fleisch- und Geflügelmarkt jedoch war dagegen ein wenig so, wie ich es in Erinnerung hatte. Ohne Kühlung hingen die halben Tiere in der Sonne, umschwirrt von tausenden Fliegen. Fische lagen ebenfalls zum Verkauf auf den Tischen und die Sonne knallte erbarmungslos auf die Nahrungsmittel. Hier hatte sich also nichts geändert.

Wir fuhren zum Lunch in das immer noch sehr gute Sheraton Hotel. Barbie vereinbarte im dortigen Hairsalon einen Termin für den 8. April um sich Dreadlocks machen zu lassen.  Am Nachmittag fuhren wir zu dem Waisenhaus, aus dem wir Barbie vor 17 Jahren holten. Das Nsambya Babies Home existierte noch und sogar der damalige Social Worker John Kasule war immer noch dort im Dienst. Welche Freude………… John, Schwester Rose, die Nurse und sogar ein Kind, welches zur gleichen Zeit wie Barbie dort war – alle konnten sich erinnern und freuten sich so sehr. Wir alle drei waren glücklich. Wir erzählten allen, wie es Barbie so ergangen ist – und als John Kasule dann ganz stolz sein dickes Buch mit all den Adoptionen, die er aufgelistet hatte, hervorholte und das 1. Blatt – Barbie war das 1. Kind, welches an Nicht-Ugander in Pflege gegeben wurde – aufschlug, musste Barbie herzhaft lachen: ihr Geburtstag war nicht, wie bisher immer angenommen und überall dokumentiert der 25. Januar sondern der 24. Januar 1992. Grosses Gelächter von allen Seiten und einfach nur Glück, dass sich alles so gut für Barbie ergeben hatte.

Am Abend genossen wir den herrlichen Blick von der Cassia Lodge über den Viktoriasee, den Sonnenuntergang und den Mondaufgang bei sternenklarem Himmel. Und wir genossen die vorzügliche Küche in der Lodge. Der Koch war ein Genie. Solch ein geniales Dinner hätte ich nie erwartet. Wir tranken Wein, aßen hervorragende Speisen und waren einfach nur rundherum glücklich.

Der nächste Tag. Dienstag. Wir starteten nach kurzem Frühstück zeitig zu unserer ersten Safari zum Murchison Nationalpark. Die erste Etappe führte uns bis Masindi, wo wir unseren Lunch assen. Eine Schweizerin führte dieses hübsche kleine Lokal. Das Essen war lecker, das Anwesen sauber und hübsch. Dann ging es weiter in den Park, wo uns schon die Affen und Büffel erwarteten.

Wir besuchten die Nilwasserfälle von oben und waren beeindruckt von der Gewalt der Elemente.  Dann fuhren wir weiter und mit der Fähre über den Nil.

Am frühen Abend kamen wir in der Paara Lodge an und auch hier wurden wir überzeugt durch den Luxus, der sich uns bot. Ich war total beeindruckt – ich hatte es nicht so erwartet. Die Lodge war im englischen Kolonialstil gebaut und auch der Service war entsprechend korrekt und sehr gut. Das Dinnerbuffet war hervorragend und wir genossen die „Stimmen der Nacht“ während wir auf der Veranda der Lodge assen. Wir hörten Löwen, Hippos und viele andere Tiere, die die Nacht einläuteten.

Am kommenden Morgen, Mittwoch, starteten wir schon um 7 Uhr zum Gamedrive. Unser Landcruiser brachte uns sicher durch die Steppe und wir sahen Unmengen von Tieren. Wasserbüffel, Warzenschweine, Giraffen, Elefanten, Löwen und viele Antilopenarten.

Am Nachmittag fuhren wir mit einem Boot über den Nil und sahen die Hippos und Krokodile im Wasser. Bis kurz vor den Wasserfall fuhr uns das Boot. Beeindruckend.

Am späten Nachmittag gönnten wir uns ein erfrischendes Bad im herrlichen Pool der Lodge und anschliessend ein wieder exzellentes Dinner auf der Veranda des Restaurants

Donnerstag ging es dann wieder zurück nach Kampala. Kurzer Lunch-Stop in Masindi und weiter ging es ohne Zwischenfälle bis zu unserer Lodge.

Den Freitag hatten wir als reinen Urlaubstag eingeplant. Wir blieben in der Lodge, genossen den Pool, die Sonne, den Garten und die herrliche Aussicht.

Samstag war Siggis Geburtstag und wir fuhren nach Jinja. Dort sollen ja die britischen Forscher Livingston und Speke die Quelle des Nils entdeckt haben. Diese Quellen sind tatsächlich da. Wir fuhren mit einem Boot bis dorthin.

Am Nachmittag schauten wir uns die Bujagali Falls an und assen dort in einer kleinen hübschen Lodge, die von einem Briten geführt wird. Über uns sassen Affen in den Bäumen und vor uns rauschten die Bujagali Falls.

Am Ostersonntag dann war mein eigener Geburtstag und wir fuhren nach Entebbe um uns den Botanischen Garten und den Zoo anzusehen. Wir spazierten kreuz und quer durch diese herrliche Anlage mit Jungle, Park und wunderschönen Blumen, Vögeln und anderen Tieren.

Nach kurzem Lunch fuhren wir wieder zurück zur Lodge in Kampala, wo wir den Tag gemütlich ausklingen liessen.

Ostermontag liessen wir uns von unserem Fahrer abholen und fuhren kreuz und quer durch Kampala. Wir schauten uns die Strassen an, die ich früher öfter zu Fuss abgelaufen bin, wir besuchten das Ugandische Museum und assen in einem Lokal, welches ich noch von früher kannte, der Athina Club. Immer noch von einem Griechen geleitet und immer noch ein sehr gutes Essen. Wir genossen unseren Lunch im Garten mit den herrlichen Pflanzen.

Dienstag dann starteten wir sehr zeitig zu unserer zweiten Safari und zu dem Besuch bei Barbies Familie. Ohne Störung – nur mit holpriger Strasse, die sich gerade „under construction“ befand – erreichten wir den Nationalpark Lake Mburu.

Uns begrüssten wieder viele Antilopen, Warzenschweine, Büffel und Zebras. Am See hat ein hübsches Restaurant aufgemacht, welches es früher nicht gab. Wir assen dort einen hervorragenden Fisch.......

..... und fuhren dann wieder zurück bis nach Masaka, wo wir im Hotel Brovad übernachteten.

Fast hatte ich es geahnt, als ich bei der Planung der Reise dieses Hotel auf der website sah ………. ich kannte auch dieses Hotel von damals. Früher haben wir dort öfter zum Lunch angehalten, wenn wir bei Barbies Familie waren oder von einem anderen Nationalpark zurückkamen. Nur wurde das Hotel, welches damals ziemlich heruntergekommen war, jetzt renoviert und wir bekamen sehr schöne Zimmer und verbrachten einen netten Abend dort.

Am nächsten Morgen – Mittwoch – schickte ich unseren Fahrer los um Lebensmittel als Gastgeschenke für Barbies Familie einzukaufen. Reis, Maismehl, Bohnen, Öl, Paraffin, Seife, Brot und noch vieles mehr kaufte er ein. Der Kofferraum unseres Landcruisers war gut gefüllt.

Und dann holte uns Mr. Sessanga im Hotel ab.
Zu Mr. Sessanga gibt es eine Vorgeschichte:

Als wir Barbie zum 18. Geburtstag diese Reise schenkten, wollten wir ihr natürlich auch einen Besuch bei ihrer Familie – also ihrem Vater und ihren Geschwistern – ermöglichen. In Uganda gibt es auf dem Land weder Strom noch Wasser noch Telefon oder sonstige Kommunikationsmöglichkeiten. Eine postalische Anschrift gibt es bis heute in ganz Uganda nicht. Handys sind im „Busch“ auch nicht an der Tagesordnung. Dank Siggis beruflicher Kontakte gelang es uns aber, eine Verbindung zu einer Stelle der ugandischen Regierung zu schaffen. Nach einigen emails hin- und her überzeugten wir die entsprechende Dame in diesem Office in Uganda, uns zu helfen - und durch diesen Kontakt gelang es dann, Mr. Sessanga, der als District Officer in der Region, in der Barbies Familie lebt, arbeitet, für uns zu gewinnen. Er besuchte lange vor unserer Ankunft verschiedene Male Barbies Familie, überzeugte sich davon, dass alle noch lebten – sogar ihr alter Vater Petero – und kündigte dann unseren Besuch für den 7. April dort in Kalisizo, Nsumba Village an.

Wie schon gesagt, Mr. Sessanga holte uns im Hotel in Masaka ab. Wir fuhren mit ihm und unserem Fahrer ca. 30 km Richtung Rakai, bogen die mir bekannte Strasse zum Village ab und meine Augen konnten nicht glauben, was ich sah. Diese damals verlassenen kleinen Siedlungen waren zu einem Dorf geworden. Lehmhütten sind steinernen Häusern gewichen, sogar teilweise grosse Häuser waren da mit Zäunen darum. Es gab eine Kirche, eine Schule und die Lehmstrassen waren gut befahrbar. Ich erinnerte mich gut daran, wie wirdamals – vor vielen Jahren – durch Schlamm und Staub fuhren. Jetzt war es eine bequeme Fahrt. Dann wartete ich darauf, dass der Wagen anhielt und wir die letzten 100 m zu Fuss bis zu den Hütten der Familie laufen mussten. Dem war nicht so. Der Wagen bog links ab, wir fuhren auf einem Pfad bis vor die Hütten der Familie. Das kannte ich so nicht und war sehr froh, dass selbst bis hier im Busch die positiven Wegeverhältnisse gelangt waren.

Wir kamen an. Alle warteten auf uns. Die ganze Familie war versammelt. Alle hatten uns erwartet und die Tränen der Freude liefen über unser aller Wangen. Barbie war so glücklich, ihren Vater endlich in die Arme nehmen zu können, ihre Schwester Josefine zu umarmen, ihre Brüder Joseph und Jocelyn kennenzulernen. Der Moment war so sehr emotional, so tiefgründig und so sehr glücklich, wie ich es nicht beschreiben kann.

Irgendwann liefen die Brüder aufgeregt hin- und her, in den Busch hinter die Bananenstauden und riefen Worte, die ich nicht verstand. Dann kamen sie und brachten ein weisses Huhn, welches sie Barbie schenken wollten. Oh je – ein Huhn konnten wir nicht mitnehmen nach Deutschland. Aber wie dieses Gastgeschenk ablehnen, welches doch so sehr von Herzen kam und welches wohl das einzig Wertvolle war, was die Familie besass??  Ich suchte nach diplomatischen guten Worten. Dann erklärte ich, dass dieses Huhn ein ganz besonderes Huhn sei, wir es aber leider nicht mitnehmen können. Ich bat darum, am selben Abend dieses Huhn zu schlachten und zu Barbies Ehren ein Festmahl zu bereiten. Dies versprach man uns. Petero holte seinen Krug mit Bananenschnaps aus der Hütte und wir alle liessen es uns gut gehen.

Immer wieder nahm Vater-Petero mich und Siggi und Barbie in den Arm. Er war so sehr dankbar dafür, was aus Barbie geworden war. Ich hatte ihm ein kleines Fotoalbum zusammengestellt mit Fotos der diversen Entwicklungsstufen von Barbie. Er steckte es gleich in die Tasche seines Hemdes als ob es sein größter Schatz sei. Er erzählte uns, dass die Regierung ihn mit seiner Familie von seinem Land vertreiben wolle. Man wolle dort Kaffee anbauen. Das Geld um sich ein neues Stück Land zu kaufen habe er nicht. Wir erkundigten uns nach der Summe um die es ginge. Und da es für uns einigermaßen erschwinglich war, sagten wir zu, ihm das Land zu kaufen. Dank unseres guten Kontaktes zur Regierung Ugandas wird es uns möglich sein, das Geld entsprechend anzuweisen. Als er dies hörte, liefen ihm Tränen über das Gesicht. Die Familie war so glücklich. Josefine ist mit dem dritten Kind schwanger und ihrem Gesicht war anzusehen, wie eine riesige Last von ihr abfiel. Endlich endlich konnte diese Familie auf eine glücklichere Zukunft hoffen. Natürlich werden wir dieses Versprechen halten. Keine Frage. Barbie besuchte noch die Gräber ihrer Mutter und ihrer Zwillingsschwester Jane-Nakato, zupfte traditionsgemäss Unkraut von den Gräbern und dann war es auch wieder Zeit, sich zu verabschieden.  Wir verliessen glückliche Menschen. Dankbare Menschen und Menschen, die endlich einmal erleben konnten, dass Versprechen auch gehalten werden. Vater-Petero konnte sich gut daran erinnern, dass ich ihm am Tag der Adoption versprach, ihm Barbie irgendwann einmal wieder zu bringen. Er sagte mir, er hätte immer darauf gewartet, dass ich dieses Versprechen einlösen würde. Gezweifelt jedoch hätte er nie. Barbie hatte ich dieses Versprechen auch schon vor vielen Jahren gegeben. Damals versprach ich ihr, bevor sie erwachsen wäre und auf eigenen Füssen stehen würde, mit ihr zusammen in ihr Ursprungsland zu fahren und es ihr näher zu bringen. Es sollten keine Fragen für sie mehr offen bleiben. Das war mir immer sehr wichtig in meiner Erziehung. Barbie war dankbar für dieses Geschenk und umarmte uns auf der Rückfahrt sehr innig dafür.

Nachdenklich und schweigend fuhren wir wieder nach Kampala zurück.

Die letzten beiden Tage, Donnerstag und Freitag, verbrachten wir in Kampala. Barbie hatte ihren Termin beim Hairstylisten, jetzt hat sie Dreadlocks.

Wir fuhren kreuz und quer, sahen uns dies und das an, kauften Andenken und zu guter Letzt waren wir in der Wohnsiedlung, in der wir zuletzt wohnten, im Wampevo Estate. Leider wird unser altes Haus momentan kernsaniert, so dass man nur eine Baustelle sah. Aber trotzdem – eswar schön, die Anlage wiederzusehen, in der wir fast zwei Jahre wohnten und in der Barbie eine unbeschwerte Kindheit verbringen durfte.

Am Samstag wurden wir in unserer Lodge abgeholt und zum Flughafen gebracht. Nach einem langen Flug über Addis Abeba und Dubai landeten wir pünktlich am Sonntag den 11. April wieder in Düsseldorf.

Eine bewegende Reise, eine glückliche Reise und eine Reise voller Versöhnung und Kennenlernen. Versöhnung mit Uganda für mich. Kennenlernen von Uganda für Barbie und Siggi.

Diese Reise hatte uns noch gefehlt zur inneren Zufriedenheit.

Wir sind sehr glücklich – jetzt.

Bye bye Uganda - viel Glück!

 

 

 

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